Mit Sigmar Gabriel als Spitzenkandidat der SPD war Angela Merkel die erneute Kanzlerschaft beinahe sicher.
Der Überraschungskandidat Schulz beflügelt nun nicht nur die SPD in jüngsten Umfragen sondern schlägt auch die Kanzlerin  in der Direktwahlfrage.

Die Union steht im Dilemma denn verfängt Martin Schulz‘ angekündigter Gerechtigkeitswahlkampf mit den Themen höhere Löhne, sichere Renten, Wohnungsbau und Europa und der CDU das liberale, urbane Milieu wegzubrechen droht, das eben noch Merkel zu ihrer Rolle als „letzte Verteidigerin des Westens“ applaudierte, muss die reagieren. Aber wie?

Mit jedem Millimeter, den sie weiter nach links rückt, wird das Gemaule der CSU wieder lauter und der Spielraum für die AfD größer werden.
Und je schriller die CSU tönt, desto mehr könnten sich Wähler aus der Mitte abwenden und zu Schulz und der SPD überlaufen.
Denn dort, wo Merkel für dieses liberale Wählerreservoir attraktiv ist, wenn es um ein offenes Europa geht und eine harte Haltung gegen Putin und sonstige Potentaten, dort überzeugt ebenfalls der Ex-EU-Parlamentspräsident.

Trotzdem geben sich führende Unionspolitiker betont gelassen:

„Der Kandidat Schulz hat noch überhaupt nichts Konkretes gesagt“, so CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gegenüber dem SPIEGEL. „Wenn er konkret werden muss, wird auf den Rausch schnell ein ernüchternder Kater folgen.“ Für Scheuer ist Schulz das „Gesicht einer rot-rot-grünen Linksfront“, die es zu bekämpfen gilt.

Auch sein CDU-Kollege Peter Tauber weist darauf hin, dass Schulz bisher inhaltlich noch keine Angriffsfläche biete: „Das wird er bis zur Wahl aber nicht durchhalten können“, ist Tauber sich sicher. Allerdings machten die Zahlen auch deutlich: „Es geht um was, wir müssen geschlossen kämpfen.“

So sieht es auch der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der vor dem alten Unionskonzept einer Politik mit verteilten Rollen warnt: „Was geboten ist, ist Klarheit. Man muss den Gegnern mit Wucht und Geschlossenheit entgegentreten.“

In den vergangenen Monaten hatten der Streit um die Flüchtlingspolitik CDU und CSU alles andere als geschlossen erscheinen lassen. An diesem Sonntag und Montag wollen die Parteispitzen sich in München zur offiziellen Versöhnung treffen.

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn mahnt seine Parteifreunde: „Mit der klaren Haltung kommt die Geschlossenheit. Und mit der Geschlossenheit kommt der Erfolg.“ Zugleich spöttelt Spahn über den SPD-Kandidaten: „Herr Schulz aus Brüssel hat die SPD aus ihrer tiefen Depression erlöst. Dafür hat bisher viel heiße Luft gereicht.“

 

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